Kiefergelenk, Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen,
Kraniomandibuläre Dysfunktion CMD
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Zähne, Kiefergelenk und
Kopfmuskulatur stehen in
einem engen Zusammenhang Kraniomandibuläre Dysfunktion CMD |
1. Was bedeutet "Kraniomandibuläre Dysfunktion CMD" ?
Die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD) umfasst alle schmerzhaften und nicht schmerzhaften Beschwerden, die auf strukturelle, biochemische und psychische Fehlregulationen der Muskel-, und/oder Kiefergelenk-Funktion zurückzuführen sind (Schweiz: Myoarthropathie; Englisch: Temporomandibular Joint Disorders TMD´s).
2. Anatomie Kaumuskulatur und Kiefergelenk
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Äußere Kaumuskulatur |
Innere Kaumuskulatur |
| Verschiebung des Discus articularis im gesunden Kiefergelenk bei Mundöffnung |
3. Ursachen und Risikofaktoren Kraniomandibuläre Dysfunktion CMD
+ Häufig wiederkehrende oder chronische Schmerzen sind ein typisches Merkmal unserer westlichen Zivilisation, leiden doch viele Menschen an anhaltenden oder häufig rezidivierenden Kieferschmerzen, Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder an anderen schmerzhaften Beeinträchtigungen. Während in früheren Zeiten Erkrankungen meist kurz und heftig waren und der Betroffene entweder gesundete oder verstarb, so kann heute durch unsere medizinischen Errungenschaften fast jedem akut Erkranktem wirksam geholfen werden. Manchmal ist die Heilung allerdings nur vordergründig, die Erkrankung nur scheinbar überwunden, da sie sich nach und nach zu einer dauerhaften schmerzhaften Beeinträchtigung wandelt. Solche Krankheitsverläufe sind häufig im Bewegungsapparat zu finden. So können zwar auch akute Schmerzen, die durch Unfälle oder andere Ereignisse verursacht sind, häufig erfolgreich behandelt werden, aber nicht selten kommt es in der Folge zu chronischen Schmerzsyndromen im muskuloskelettalen Apparat (Kieferschmerzen, Schmerzen im Kiefergelenk z.B.).
+ Ein anderes typisches Merkmal unserer heutigen Gesellschaft ist die chronische psychische Anspannung, bedingt durch berufliche, familiäre oder andere soziale Faktoren. Zielorgane von solchem Stress sind nicht nur der Magen oder das "Nervenkostüm", nein auch die Zähne sind ein allgemein bekanntes "Hilfsmittel", um angestaute Anspannung mit Hilfe der Kaumuskulatur und dem Kiefergelenk abzuarbeiten (Zähneknirschen, Bruxismus). Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Menschen schon immer unter Stress zu leiden hatten, ja, man sollte meinen, dass sie diesen bei ihrem Überlebenskampf in früheren Zeiten noch erheblich mehr zu erdulden hatten. Allerdings fanden sie auch hinreichend körperlichen Ausgleich und konnten so diesen Stress durch harte tägliche Anstrengung bei der Nahrungssuche und dem Überlebenskampf besser abbauen.
+ Der Mangel an Bewegung und körperlichem Training ist somit ebenso eines der großen gesundheitlichen Probleme unserer Zeit, wie es die ungenügende Stressbewältigung ist. Der durchschnittliche Erwachsene braucht heute in der Regel bei der Arbeit oder in der Familie nahezu keine körperlich trainierenden Tätigkeiten mehr auszuüben und kann sich bei schweren Arbeiten fast völlig auf Maschinen verlassen. Hinzu kommt, dass unsere Ernährungsgewohnheiten diesen Bedingungen nicht Rechnung tragen und es durch unausgewogene bzw. zu reichliche Nahrungsaufnahme häufig zu zusätzlichen Belastungen des Körpers im Besonderen auch des Bewegungsapparates kommt (Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen u.a.). Neuere Forschungsergebnisse belegen, außerdem dass hormonelle Faktoren einen wesentlichen Anteil an der Entstehung von Schmerzen und einer erhöhten Schmerzempfindlicheit haben können (z.B. in Kiefergelenk und Kaumuskulatur).
+ Ein anderer wichtiger Riskofaktor von Schmerzen sind Schlafstörungen. Einschlaf-, Durchschlafstörungen oder frühes Erwachen sind weit verbreitete Symptome der "Insomnie", der häufigsten Schlafstörung. Wenn wir wenig Tiefschlafphasen durchlaufen und häufig kleine Weckreaktionen erleben, kann sich unsere Muskulatur nachts nicht richtig entspannen und neigt zu erhöhter Aktivität. Das zeigt sich häufig daran, dass morgens die Kiefermuskulatur angespannt ist und Kopfschmerzen auftreten können. Indem hier positiv auf die Schlafqualität eingewirkt wird, z.B. durch eine bessere Schlafhygiene oder Medikamente, können dieser Bruxismus und die Verspannungen reduziert werden.
+ Im Mundbereich kommt hinzu, dass hier häufig ein hoher Therapiebedarf besteht, sei dies durch Kieferfehlwachstum, Karies oder Erkrankungen des Zahnhalteapparates bedingt. Therapeutische Maßnahmen wie Kieferregulierungen, Füllungen oder Zahnersatz führen so zu einer immer größer werdenden Beanspruchung der natürlichen Anpassungsfähigkeit der beteiligten Geweben in der gesamten Kopfregion.
+ Diese Vielzahl von Risikofaktoren können nun dazu führen, dass im Zusammenspiel von weichen und festen Strukturen der Kopfregion ein immer größeres Ungleichgewicht auftritt. Die Muskulatur verspannt und wird schmerzhaft, die Zähne werden empfindlich oder nutzen sich übermäßig ab (Zähneknirschen, Buxismus), das Kiefergelenk beginnt zu knacken, oder schmerzt bei der Bewegung.
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CMD-Risikofaktoren Haltungsfehler/Kiefergelenk / Schmerzen in anderen Körperregionen |
CMD-Risikofaktor psychosozialer Stress |
4. Symptome und Zeichen Kraniomandibuläre Dysfunktion CMD
+ Zähne+ Zähne knirschen
+ Pressen der Zähne+ Empfindliche Zähne
+ Zahnschmerzen+ Biss stimmt nicht (Bissprobleme oder Okklusionsstörungen)+ Kiefergelenk
+ Kiefergelenk Schmerzen+ Knacken im Kiefergelenk+ Reiben im Kiefergelenk+ Kiefer und Mund+ Mund geht nicht richtig auf+ Einseitiges Kauen+ Verspannung der Kiefer beim Kauen+ Taubes Gefühl im Kiefer+ Kopf und Gesicht+ Kopfschmerzen+ Gesichtsschmerzen+ Taubes Gefühl im Gesicht+ Haare werden empfindlich+ Ohren+ Ohrgeräusche+ Ohrschmerzen+ Schwindel+ Augen+ Schmerzen hinter den Augen+ Lichtempfindlichkeit+ Sehstörungen+ Hals und Nacken+ Schluckbeschwerden (Globusgefühl)+ Halsschmerzen+ Unfall mit Verletzung der Kiefer+ Schleudertrauma+ Vollnarkose+ Lange Mundöffnung bei Zahnbehandlung+ Körper+ Nackenschmerzen+ Schulterschmerzen+ Rückenschmerzen+ Taubes Gefühl in Armen oder Beinen
+ Schlaf ist schlecht
+ Schnarchen
+ Atemaussetzer in der Nacht+ Müdigkeit am Tage+ Psychosoziale Faktoren+ Stress in Schule/Arbeit/Familie+ Innere Unruhe+ Grübelei+ Depressionen+ Ängste+ Früheres traumatisches Erlebnis
Screening-Fragen für CMD
Wenn eine oder mehrere der folgenden Fragen mit "Ja" beantwortet werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine typische CMD vorliegt, d.h. mit muskulären und/oder gelenkbezogenen Schmerzen (Myofasziale Schmerzen/Arthralgie nach RDC/TMD):
1. Nehmen Sie einmal die Woche Schmerzen wahr, wenn Sie den Mund öffnen oder kauen?
2. Haben Sie Schmerzen in der linken Gesichtshälfte, der rechten oder in beiden?
3. Hatten Sie die letzte Woche Schmerzen an Schläfe, Gesicht, Kiefergelenk mindestens 1x/Woche
(Nilsson IM et al. 2006 JOrofacPain, Reißmann DR et al. 2009, Der Schmerz)
Zur Beurteilung/Diagnostik der kraniomandibulären Dysfunktion CMD und Differenzialdiagnostik von anderen orofazialen Schmerzsyndromen werden vom Zahnarzt folgende Maßnahmen eingeleitet:
2. Eine Untersuchung von Kieferbewegungen, Kaumuskulatur und Kiefergelenken (Klinischer Funktionsstatus)
3. Eine Panoramaaufnahnahme von Ober- und Unterkiefer ist häufig sinnvoll um zahnärztliche und chirurgische Ursachen von Schmerzen auszuschließen.
4. Auswertung von einem oder mehreren Fragebögen aus der Schmerzpsychologie zur Frühdiagnostik von psychosozialen Beeinträchtigungen.
Bei komplexen Krankheitsbildern können aufwändige apparative, radiologische und/oder psychologische Verfahren Anwendung finden sowie andere Fachrichtungen hinzugezogen werden.
Elektronische Diagnoseverfahren sind manchmal notwendig bei der
Diagnostik von Kiefergelenk Schmerzen, Gesichtsschmerzen, Kieferschmerzen,
Zähne knirschen, Bruxismus
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Elektromyographie der Kaumuskulatur beim verspannten Patienten |
6. Behandlung von kraniomandibulären Dysfunktionen CMD
Grundgedanke bei der Therapie von CMD ist die schonende und Einsatz von reversiblen Mitteln. Dabei werden wissenschaftlich anerkannte Therapiekonzepte je nach Schwere der Erkrankung stufenweise und individuell auf den Patienten abgestimmt, auf Grundlage der evidenzbasierten Zahnmedizin.
- Die Aufklärung des Patienten über die Krankheitszusammenhänge und exakte Diagnosen ist die ersten wichtigen Schritte zu einer positive Beeinflussung der Krankheit.
- Sinnvoll sind Hinweise zur Selbstbehandlung, wie weiche Nahrung, Dehnübungen, Wärme- oder Kälte. Entspannungsübungen, Selbstbeobachtung, Biofeedback oder Stressmanagement sind ebenfalls sehr effektive Verfahren, die erlernt werden können. Aerobes Ausdauertraining wie z.B. Joggen, Heimtrainer, Schwimmen sind sehr wirksam bei allen schmerzhaften Erkrankungen.
- Eine Okklusionsschiene wird vom Zahnarzt häufig eingesetzt und führt in vielen Fällen zu einer Entspannung der Kau- und Kopfmuskulatur sowie zu einer Entlastung der Kiefergelenke.
- Physiotherapeutische Maßnahmen und täglich durchgeführte Übungen können helfen muskuläre Verspannungen und Schmerzen zu reduzieren.
- In ausgewählten Fällen können schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelrelaxierende oder schlaffördernde Medikamente angezeigt sein um Chronifizierungsprozessen entgegen zu wirken und die Lebensqualität zu verbessern.
- Transkutane Elektrische Nerven Stimulation (T.E.N.S.) kann durch eine Lockerung der Muskulatur und eine Verringerung der Schmerzen hilfreich sein.
- Es wird diskutiert ob Infiltration mit Procain z.B. oder Nadelung von Triggerpunkten in die Muskulatur mit verschiedenen Substanzen sinnvoll sind und dauerhaft Linderung bringen können.
- Umfangreiche Zahnsanierungen, kieferorthopädische oder chirurgische Maßnahmen sollten nur bei strengster Indikation Anwendung finden bei Abwägung der Vor- und Nachteile.
7. CMD und Schmerzchronifizierung
In wenigen Fällen neigen Patienten mit kraniomandibulären Dysfunktionen/orofazialen Schmerzen zu einer Chronifizierung, insbesondere, wenn mehrere Risikofaktoren vorliegen. Hier können interdisziplinäre Maßnahmen eine Besserung der Beschwerden und der Lebensqualität bewirken, d.h. eine individuelle, patientenbezogene Kombination von verschiedenen therapeutischen Optionen.
Wichtige Hinweise für eine Chronifizierung sind folgende Merkmale:
- Schmerzdauer länger als 6 Monate ("Schmerzchronifizierung", "Schmerzgedächnis").
- Mehrere schmerzhafte Regionen im Körper ("Multilokuläre Schmerzen").
- Geringe Bereitschaft die eigenen Lebensumstände zu verändern und die Empfehlungen des Behandlers umzusetzen, z.B. Entspannungsübungen, aerobes Ausdauertraining, Stressbewältigung u.a. ("schlechtes coping").
- Neigung zur "Somatisierung", d.h. die Veranlagung psychosoziale Stressfaktoren in körperliche Symptome zu "übersetzen".
- Mangelndes Verständnis und Unterstützung durch das soziale und berufliche Umfeld.
- Ausgeprägte psychosoziale Belastungen wie schmerzbedingte Fehlzeiten auf der Arbeit, Ängstlichkeit und depressive Tendenzen.
- Starke Fixierung und Fokussierung auf den Schmerz/die Okklusion und geringe Bereitschaft die eigene Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu richten.
Weitere ausführliche Informationen zu dem Thema entnehmen Sie bitte in dem CMD-Ratgeber "Der etwas andere Kopf- und Gesichtsschmerz - Kraniomandibuläre Dysfunktionen CMD".






